Obstbaumschnitt

von Waude

Für den Obstbaumschnitt gibt es grundlegend 2 Schnittzeitpunkte im Jahr:

  • Winterschnitt
  • Sommerschnitt (eigenes Thema)

Der Winterschnitt findet von Januar bis März / April statt. Langsam wachsende Bäume oder solche, die man zu vermehrtem Wachstum anregen möchte, schneidet man früher. Im April, also sehr spät, werden diejenigen Bäume geschnitten, die sehr wuchsfreudig sind und vor allem jene, die stark Wassertriebe ansetzen. Ein später Schnittzeitpunkt wirkt also beruhigend auf das Baumwachstum. Außerdem ist ein späterer Schnittzeitpunkt empfehlenswerter, da der Baum die ihm zugefügten Verletzungen besser heilen kann, weil er bereits Photosynthese betreibt. Im Winter kann sich der Baum nicht regenerieren, es kommt zu einer langsamen Wundheilung und Wunden werden zu Eintrittsöffnungen für Pilze, Bakterien etc.

 

Der Sommerschnitt findet von Mitte Juli bis Mitte August statt, jedenfalls nach dem Johannistag (24. Juni), wo die Gehölze noch ein zweites Mal durchtreiben. Hier werden vielfach Wassertriebe mit dem Astring gerissen, da so der Neuaustrieb unterbunden wird.

Vom Schnittzeitpunkt her, kann man sagen, dass das Kernobst (wie z.B. Apfel, Birne etc.) vor Anschwellen der Knospen im März / April geschnitten werden soll und das Steinobst wie Kirsche, Weichsel, Pfirsich und Marille nach der Blüte bzw. nach der Ernte.

 

Schnittzeitpunkte Logo

  * Auf den Schnitt von Beerenobst wird hier auch nicht näher eingegangen.

 

Was braucht man dazu?

Ein sauberes, desinfiziertes sowie geschliffenes Schnittwerkzeug wie etwa eine Baumschere sowie eine Handsäge reichen für den Obstbaumschnitt aus. Motorsägen haben auf Obstbäumen nichts zu suchen, da so große Äste gar nicht angeschnitten werden sollten. Hin und wieder kann so eine Aktion von Nöten sein, wenn der Baum schon lange Zeit nicht mehr geschnitten wurde. Hier jedoch ganz wenig und mit Bedacht über mehrere Jahre verteilt schneiden.

 

Warum schneiden?

Obstgehölze sollten möglichst jährlich geschnitten werden, da dies den Ertrag verbessert und die sogenannte „Alternanz“ (auf gute Ertragsjahre folgen schlechte) abschwächt. Außerdem müssen auf diese Weise keine großen Wunden am Baum zugefügt werden.

 

Wie schneiden?

Zu beachten ist außerdem, dass verschiedene Baumarten unterschiedliche Schnitttechniken erfordern. Einen Apfelbaum schneidet man anders als z.B. einen Birnbaum oder einen Zwetschkenbaum.

Weichseln, Marillen und Pfirsiche bedürfen einer gesonderten Schnitttechnik (dem sog. Wechselschnitt), weil diese Bäume ansonsten zum Verkahlen neigen. Eine genauere Erklärung dieser Schnitttechnik würde jedoch den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Bei Unklarheiten am besten den Fachverkäufer vor Ort fragen oder einen Obstbaumschnittkurs besuchen.

 

Die 10 goldenen Schnittregeln:

  1. Devise: erst denken, dann schneiden!
  2. Den Kronenaufbau festlegen mit Mitteltrieb, 3-4 Leittrieben, auf denen sich die Fruchttriebe befinden.
  3. Nach innen stehende, sich überkreuzende sowie Konkurrenztriebe herausschneiden.
  4. Schneiden Sie die Leitäste in Saftwaage, d.h. alle Leitäste enden in gleicher Höhe.
  5. Fangen Sie mit dem Rückschnitt beim schwächsten Leitast an und passen Sie die Leitäste an die tiefste Stelle an.
  6. Leiten Sie anschließend die Seitenäste auf einen nach unten zeigenden Ast ab (niemals einkürzen!).
  7. Der Mitteltrieb befindet sich ungefähr 20-30 cm über Saftwaage und soll einen Winkel von ca. 40-45° zu den Leittrieben aufweisen.
  8. Nur ca. 50 % der Wassertriebe herausschneiden und diese (beim Erhaltungsschnitt) NIEMALS einkürzen! Angeschnittene Wassertriebe treiben nämlich wieder stark durch und es werden nur Holztriebe, jedoch kein Fruchtholz gebildet! Der Fruchtbehang wird dadurch stark reduziert, weil die ganze Kraft in die Triebe fließt. Die Triebe werden nur dann eingekürzt, wenn eine Verlängerung des Triebes gewünscht ist (Erziehungsschnitt). Als Grundprinzip gilt also: Wassertriebe als Ganzes wegschneiden oder stehen lassen!
  9. Formierung: Jene Triebe, die stehen bleiben, können auch waagrecht gebunden werden, damit sie Frucht für das nächste Jahr ansetzen.
  10. Eines muss uns bewusst sein – ein starker Rückschnitt fördert einen starken Austrieb und es werden sich vermehrt Wassertriebe bilden. Bei solchen Bäumen besser niemals zu viel auf einmal schneiden! Besser im darauffolgenden Jahr wieder!

 

Grundsätzliches zum Schneiden

  • Immer große Äste herausschneiden, kleines Herumschnippeln fördert die Wassertriebe ungemein!
  • Schneiden Sie keine „Kleiderhaken“ sondern direkt am Astring, ansonsten bleiben schlafende Augen am Aststummel zurück und es kommt zu einem besenförmigen Wiederaustrieb.
  • Die Schnittstelle soll leicht schräg verlaufen, damit auftreffendes Wasser rasch abfließen kann.

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